Prävention von gewalttätigem Extremismus in Verbindung mit dem Islam : Strategische Vision für die Schweiz
BHT
German
Seit den blutigen Anschlägen von 2015, die Frankreich schwer getroffen haben, befinden sich die westeuropäischen Länder in Alarmbereitschaft, da sie den Ausbruch neuer Terroranschläge befürchten. In verschiedenen Ländern haben staatliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen versucht, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um der terroristischen Gefahr zu begegnen, die meist implizit mit Gruppen in Verbindung gebracht wird, die sich zum Islam bekennen, und die sowohl Sicherheitspolitik als auch Präventions-und Vermittlungsprojekte umfassen.Man sprach auch von "Deradikalisierung" oder "Entradikalisierung" und meinte da-mit Behandlungsmaßnahmen für junge Menschen in Europa, die bereits von den Ideologien der "dschihadistischen" Terrorgruppen beeinflusst waren. Einige Jahre später muss man feststellen, dass das Risiko eines Anschlags immer noch hoch zusein scheint und in Europa im Namen derselben Ideologien regelmäßig Attackenverübt werden.Trotz der beträchtlichen finanziellen und personellen Mittel, die von den Staaten bereitgestellt werden, scheint das Risiko immer noch unkontrollierbar und präsent zu sein. Auf akademischer Ebene wird die Fülle an Analysen und Studien zur zeitgenössischen terroristischen und "dschihadistischen" Frage durch ihre dis-sonanten Stimmen und antagonistischen Thesen beeinträchtigt, die mehrere Gruppen von For-schern gegeneinander ausspielen, obwohl sie einen guten Ruf haben und qualifiziert sind. Darüber hinaus schwappt die Debatte über den "Dschihadismus" und den Terrorismus auf die Frage nach dem Islam in Europa über. Die beiden "Phänomene" werden dann häufig miteinander in Verbindung gebracht, und einige öffentliche Maßnahmen, insbesondere in Frankreich, geben vor, die Problematik des Terrorismus und die des Islamismus oder des religiösen "Extremis-mus" der Muslime gemeinsam zu behandeln, wobei diese beidenThemen auf riskante Weise immer häufiger miteinander in Verbindung gebracht werden, was das Risiko einer gefährlichen Verwechslung der Ebenenund Prioritäten mit sich bringt. In der Schweiz wurden kürzlich ver-schiedene Berichte zur Problematik des gewalttätigen Extremismus (Vidino, 2013; Nationaler Sicherheitsverbund, 2017, El Chazli et al., 2019; Bichsel, 2020; Eser Davolio, 2019) sowie zu anderen Themen veröffentlicht, die die muslimischen Gemeinschaften des Landes und indirekt auch die Frage der "Radikalisierung" betreffen (Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, 2017; Schweizerische Eidgenossenschaft, 2021). Abgesehen von ihrem zweifellosen Interesse mangelt es diesen Dokumenten aufgrund ihrer makrosoziologischen Perspektive häufig an qua-litativen Erhebungen vor Ort, was das Risiko birgt, dass ihre Empfehlungen sehr allgemein und wenig detailliert sind (Nationales Sicherheitsnetzwerk, 2017). In Frankreich gibt es eine brei-tere Fülle von Studien, die sich speziell mit dem "Dschihadismus" (Marlière, 2021; Hussein, 2019; Bouzar, 2014; Bouzar & Martin, 2016) oder mit Themen rund um das Phänomen befas-sen (z. B. Khosrokhavar, 2019; Rougier, 2020b), aber der soziopolitische Kontext ist unter-schiedlich und jede Forschung konzentriert sich auf einen bestimmten Blickwinkel. Als Ant-wort auf diese Einschränkungen bietet dieses "Strategiepapier" sowohl eine umfassende quali-tative Analyse der Ursachen des gewalttätigen Extremismus in der Schweiz als auch Elemente für die Reaktion auf diese heikle aktuelle Situation und entwickelt so Überlegungen sowohl zu den Risikofaktoren als auch zu möglichen Lösungen. Schließlich wird das Dokument einige Empfehlungen vorschlagen, die von öffentlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und religi-ösen Organisationen umgesetzt werden sollten.
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Faculty
- Rectorat
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Department
- Centre Suisse Islam et Société
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Language
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Classification
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Religion, theology
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Published version
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License
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Open access status
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green
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https://folia.unifr.ch/unifr/documents/333539
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