Doctoral thesis

Wer spricht und mit wem? Und was hält das Publikum davon? : zur Orientierungsfunktion des Journalismus

BP2-STS

  • Fribourg/Freiburg (Schweiz), 2025

1 Online-Ressource (239, xlvii Seiten)

PhD: Universität Freiburg (Schweiz), 11.06.2025

German Ausgehend vom vermittlungstheoretischen Ansatz (VTA) untersucht die Dissertation die Orientierungsfunktion des Journalismus aus Inhalts- und Rezeptionsperspektive. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern journalistisch vermittelte Diskurse dem Publikum Orientierung bieten.
Mittels einer Kombination aus relationaler Inhaltsanalyse und sozialer Netzwerkanalyse wurden kommunikative Strukturen zwischen Akteur:innen in einem öffentlich geführten Diskurs beleuchtet. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Akteur:innen besonders häufig zu Wort kommen, stark vernetzt sind und den Diskurs massgeblich prägen. Kommunikative Beziehungen sind insgesamt selten, doch wenn sie auftreten, zeigen sie eine ausgeprägte, orientierungsförderliche Tendenz zur Wechselseitigkeit. Insbesondere negative Bezugnahmen fördern einen wechselseitigen Austausch. Gleichzeitig deuten Mechanismen wie Homophilie und Transitivität auf eine begrenzte gesellschaftliche Integration hin, was aus VTA-Perspektive kritisch zu bewerten ist und orientierungshemmend wirken kann.
Aus Wahrnehmungsperspektive untersucht die Arbeit mittels zweier Befragungen erstmals die Rolle von Repräsentanzmerkmalen für die wahrgenommene Kompetenz zitierter Quellen, ihre Überzeugungskraft und ihre Repräsentativität für verschiedene Gruppen. Auf Basis einer Erweiterung des Repräsentanzkonzepts im VTA werden die drei Quellenmerkmale Organisationszugehörigkeit, formaler Repräsentanzstatus und argumentative Stimme (Formulierung der Aussage als persönliche Meinung vs. als Gruppenmeinung) betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Art der Aussageformulierung die wahrgenommene Kompetenz und Repräsentativität beeinflusst. Überraschenderweise spielt das Vorliegen einer Organisationszugehörigkeit eine grössere Rolle als ein formaler Repräsentanzstatus.
Beide Studien verdeutlichen die Notwendigkeit, dass Medienschaffende eine vielfältige und transparente Quellenlandschaft fördern müssen, um den Orientierungserfordernissen der Rezipient:innen gerecht zu werden. Dafür müssten Medienschaffende ihre Rolle als Vermittler:innen vielfältiger Stimmen und Perspektiven sowie als Moderator:innen des Diskurses möglicherweise aktiver wahrnehmen. Die Quellenwahl und deren Darstellung bleiben dabei entscheidende Mechanismen.
Faculty
Faculté des sciences économiques et sociales et du management
Language
  • German
Classification
Information, communication and media sciences
Notes
  • Literaturverzeichnis
License
CC BY
Open access status
diamond
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https://folia.unifr.ch/unifr/documents/332312
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