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Die Arbeit an der Heimat

BHT

  • 2019
Published in:
  • Berliner Debatte Initial. - 2019, vol. 3, no. 30, p. 17-27
German Es schien, wir wären mit der Heimat fertig – zumindest politisch. Heimat hatte einen politischen Beigeschmack, der in der alten Bundesrepublik seit den Sechzigern immer weniger Anklang fand. Es war ein sattsam bekannter Topos in den Quellen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dass die liberale Demokratie keine Heimat geben könne. Die Liberalen und erst recht die Sozialdemokraten könnten kein Vaterland haben und seien vaterlandslos, so die Heimatenthusiasten vor 1914. Immer wieder nutzten Vereine, Verbände und Parteien im Kaiserreich und in der Weimarer Republik den Heimatgedanken, um gegen alles, was ihnen liberal, sozialdemokratisch und links vorkam, zu polemisieren. Der Internationalismus der Sozialdemokraten und der Linksliberalen schien mit dem immer stärker exklusiven Bezug auf das Reich und dem, was als seine Interessen ausgegeben wurde, zu kollidieren. Heimat hatte ihren politischen Ort bei den national Gesinnten. Sie kannte eine Symbolik des Kleinräumlichen, Provinziellen und Traditionalen: Trachten und Heimatkunde, Heimatgedichte, Texte über lokalen Eigensinn, was den Deutschen, die sich in den Jahren des Wirtschaftswunders immer mehr internationalisierten, je länger desto mehr abging.
Faculty
Faculté des lettres et des sciences humaines
Department
Département d'histoire contemporaine
Language
  • German
Classification
History
License
License undefined
Open access status
green
Persistent URL
https://folia.unifr.ch/unifr/documents/319921
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