Doctoral thesis

Entwicklung und Anwendung eines Kodiersystems zur Erfassung von behavioralen und emotionalen Emotionsregulationsstrategien für Kinder im Vorschulalter beim altersadaptierten Stresstest und Prüfung von Alter und Verhaltensauffälligkeiten als Einflussfaktoren

SPR

  • Freiburg, Schweiz : [Verlag nicht ermittelbar], [2021]

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Dissertation: Universität Freiburg (Schweiz), 2021

German Das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit war die Kodierung von
Emotionsregulationsstrategien beim altersadaptierten Stresstest, einem standardisierten
Paradigma zur Stressinduktion. Die Literaturrecherche zur Erfassung von
Emotionsregulationsstrategien in standardisierten Situationen bei Vorschulkindern zeigte, dass diesbezüglich auf kein existierendes Kodiersystem zurückgegriffen werden konnte. Es wurde deshalb in einem ersten Teil der Arbeit auf der Basis der zugrundeliegenden Theorien und Kodiersystemen in anderen Forschungskontexten ein Kodiersystem zur Erfassung behavioraler und emotionaler Emotionsregulationsstrategien entwickelt. Für eine möglichst vollständige Erfassung von behavioralen Emotionsregulationsstrategien wurden acht Kategorien festgelegt. Emotionale Emotionsregulationsstrategien wurden durch den Emotionsausdruck erfasst mit zwei Methoden, welche in Abhängigkeit zu den Forschungsfragen stehen. Zum einen wurde die im Gesicht sichtbare Stressreaktion erfasst basierend auf einem dimensionalen Emotionsmodell mit den beiden Dimensionen Valenz und Intensität. Zum anderen wurden die Emotionskategorien Verlegenheit, Scham, Enttäuschung und Ärger kodiert als Emotionen, die nach Misserfolg gezeigt werden können.
Das Kodiersystem wurde in einem zweiten Teil der Arbeit auf eine gesunde Stichprobe von
N=295 Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren angewandt, die an der Swiss Preschoolers’
Health Study (SPLASHY) teilgenommen hatten. Von dieser Anwendung wurde die
Interraterreliabilität berechnet, deskriptivstatistische Basisanalysen und weitere Itemanalysen
durchgeführt und die zugrundeliegende Struktur in einer Faktorenanalyse überprüft.
Die Durchschnittswerte der Intraklassen-Korrelationskoeffizienten lagen für die verwendeten
Kategorien behaviorale Emotionsregulationsstrategien in den Bereichen gut bis exzellent, für
emotionale Emotionsregulationsstrategien waren sie bei beiden Methoden zur Erfassung des
Emotionsausdrucks moderat. Die Kategorien behavioraler Emotionsregulation wurden nach
deskriptivstatistischen Basisanalysen und weiteren Itemanalysen auf neun Items der drei
Kategorien verbale Selbstberuhigung, motorische Selbstberuhigung und nach sozialer
Unterstützung suchen gekürzt. Eine exploratorische Faktorenanalyse mit Varimaxrotation
bestätigte die postulierte Drei-Faktorenlösung für diese neun Items. In Bezug auf die
emotionalen Emotionsregulationsstrategien zeigte sich gemäss dimensionalem
Emotionsmodell nach Stressinduktion ein stärker ausgeprägter negativer Emotionsausdruck als bei der Baseline. Der Unterschied war in einem t-Test statistisch signifikant. Die Emotion, die nach dem erlebten Misserfolg am häufigsten gezeigt wurde, war Verlegenheit (43.96%), gefolgt von Scham (29.38%) und Enttäuschung (23.84%). Die Emotion Ärger wurde kaum gezeigt (4.18%). In einem weiteren Teil der Arbeit wurden Hypothesen zu Alter und Verhaltensauffälligkeiten als Einflussfaktoren auf behaviorale und emotionale Emotionsregulationsstrategien anhand von multiplen hierarchischen Regressionsanalysen überprüft. Dadurch wurden dem Kodiersystem zugrundeliegende Annahmen geprüft. Für verbale Selbstberuhigung und motorische Selbstberuhigung erwies sich das Alter nicht als signifikanter Einflussfaktor. Hingegen leistete das Alter einen hoch signifikanten Erklärungsbeitrag für die interpersonale Beruhigungsstrategie nach sozialer Unterstützung suchen. Verhaltensauffälligkeiten war ein signifikanter Einflussfaktor auf verbale Selbstberuhigung, motorische Selbstberuhigung und nach sozialer Unterstützung suchen. Bei einer Spezifizierung der Problembereiche erwies sich Hyperaktivitäts-/Aufmerksamkeitsprobleme als relevanter Prädiktor für verbale Selbstberuhigung und motorische Selbstberuhigung. Externalisierende Verhaltensprobleme und Probleme mit Gleichaltrigen waren relevante Prädiktoren für nach sozialer Unterstützung
suchen. Weder Alter noch Verhaltensauffälligkeiten hatten einen signifikanten Einfluss auf emotionale Emotionsregulationsstrategien, respektive den Emotionsausdruck gemäss dimensionaler Emotionstheorie. Die Erkenntnis, dass für die drei Beruhigungsstrategien unterschiedliche Prädiktoren relevant sind, zeigt, dass es im Vorschulalter sinnvoll und notwendig ist, zwischen verschiedenen Beruhigungsstrategien zu differenzieren.
Auf der Basis der ersten Anwendung und statistischen Analysen werden für künftige
Anwendungen des Kodiersystems zur Erfassung von behavioralen
Emotionsregulationsstrategien folgende Empfehlungen gemacht: Bei Stichproben mit
gesunden Kindern kann mit der gekürzten Version des Kodiersystems und der Kodierung von
nur einer Spielrunde und somit vier Intervallen gearbeitet werden. Bei einer Anwendung des
Kodiersystems auf klinische Stichproben soll das umfassende, ursprüngliche Kodiersystems
angewandt werden. Diese Arbeit trägt als Ganzes zu einem besseren Verständnis der Stressreaktion von Kindern bei, was insbesondere relevant ist, weil der altersadaptierte als Goldstandard in der Stressinduktion im Vorschulalter gilt.
Faculty
Faculté des lettres
Language
  • German
Classification
Psychology
Notes
  • Ressource en ligne consultée le 2021-12-21
License
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