Doctoral thesis

Gerechtigkeitserleben und Ungleichheitserleben in der Schule : Eine empirische Untersuchung von Gerechtigkeitsurteilen beim Übertritt in die Sekundarstufe I und am Ende der obligatorischen Schulzeit

    2015

1 ressource en ligne (260 p.)

Thèse de doctorat: Université de Fribourg, 2015

German Die vorliegende Arbeit untersucht subjektive Gerechtigkeitsurteile zur Lehrperson, zum Übertrittssystem und zum Schulsystem sowie das subjektive Erleben sozialer Ungleichheiten beim Übergang von der Primarschule in die Sekundarstufe I und am Ende der obligatorischen Schulzeit. Dabei wird zum einen auf Abhängigkeiten in der Urteilsbildung zwischen den Kindern und ihren Eltern fokussiert und zum anderen werden Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern der Primarschulen und der Orientierungsschulen sowie Beziehungen zwischen den Gerechtigkeitsurteilen und dem Ungleichheitserleben analysiert. Um interindividuelle Unterschiede genauer untersuchen zu können, werden Zusammenhänge zwischen den subjektiven schulbezogenen Gerechtigkeitsurteilen, dem Ungleichheitserleben und dem impliziten und expliziten Gerechtigkeitsmotiv hergestellt. Hierzu werden Instrumente zur Erhebung der subjektiven Lehrpersongerechtigkeit, der subjektiven Übertrittsgerechtigkeit, der subjektiven Schulsystemgerechtigkeit und des subjektiven Ungleichheitserlebens eingesetzt. Als Indikator für das implizite Gerechtigkeitsmotiv dient der persönliche Gerechte-Welt-Glaube, das explizite Gerechtigkeitsmotiv wird anhand der Gerechtigkeitssensitivität operationalisiert. In allen 6. Klassen der deutschsprachigen Primarschulen (n = 796) und allen 9. Klassen der deutschsprachigen Orientierungsschulen (n = 861) des Kantons Freiburg/CH wurden Fragebogenerhebungen durchgeführt. Zusätzlich wurden auch die Eltern der Primarschülerinnen und Primarschüler (n = 704) schriftlich befragt. Mithilfe von multiplen Gruppenvergleichen konnten zunächst alle Skalen zu den Gerechtigkeitsurteilen, dem Ungleichheitserleben und erstmalig auch die Indikatoren der Gerechtigkeitsmotive auf Messäquivalenz geprüft werden. Die Ergebnisse deuten auf altersabhängige Messeigenschaften des persönlichen Gerechte-Welt-Glaubens hin. Die Gerechtigkeitssensitivität – Nutznießerperspektive kann in einer Kurzform verwendet werden. Die Instrumente zur Messung der individuell und subjektiv wahrgenommenen Lehrpersongerechtigkeit, Übertrittsgerechtigkeit, Schulgerechtigkeit und des subjektiven Ungleichheitserlebens konnten mit wenigen Anpassungen zu weiteren Berechnungen eingesetzt werden. Insgesamt beurteilten alle Befragten die Lehrpersonen, das Übertrittssystem und das Schulsystem als sehr gerecht. Unterschiede ergaben sich vor allem durch den definitiven Übertrittsentscheid in eine der Leistungsabteilungen der Sekundarstufe I am Ende der 6. Klasse oder durch die Zugehörigkeit zu einer der Sekundarabteilungen in der 9. Klasse. Schülerinnen und Schüler, die in eine anspruchsvollere Abteilung zugewiesen wurden sowie deren Eltern, beurteilten das Lehrpersonverhalten und das Übertrittssystem als gerechter, außerdem gaben sie eher an in einer für sie gerechten Welt zu leben. Ähnliche Befunde ergaben sich für die Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschulen. Wurden diese in einer anspruchsvolleren Abteilung beschult, so fielen ihre Gerechtigkeitsurteile zum Schulsystem höher aus und sie waren eher davon überzeugt in einer für sie gerechten Welt zu leben. Das subjektive Ungleichheitserleben ging mit niedrigeren schulbezogenen Gerechtigkeitsurteilen, einem niedrigeren impliziten Gerechtigkeitsmotiv und einem höheren expliziten Gerechtigkeitsmotiv einher. Die Ergebnisse werden hinsichtlich ihrer Relevanz für die Gerechtigkeitsmotiv-Theorie und schulbezogenen Gerechtigkeitskognitionen diskutiert.
Faculty
Faculté des lettres
Language
  • German
Classification
Education, teaching
Notes
  • Ressource en ligne consultée le 10.09.2015
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